Liebe Kaltererinnen und Kalterer,
der Kalterer See ist Teil unserer Identität, unserer Landschaft und unseres Lebensgefühls. Deshalb geht es beim freien Seezugang um mehr als die Frage, wo jemand schwimmen kann. Es geht um Verantwortung für unseren See.
Im Hochsommer wurde viel diskutiert. Leider wurde die Debatte teilweise persönlich. Beschimpfungen und Hasskommentare bringen uns nicht weiter. Ich wünsche mir Sachlichkeit und Respekt.
Die heutige Situation am See ist über Jahrzehnte gewachsen. Die Gemeinde hat Anfang der 2000er-Jahre erhebliche Summen in das Lido und seine Infrastruktur investiert – Investitionen, die den Gemeindehaushalt bis heute belasten. Der Lido-Pachtzins und der Parkplatz sind wichtige Einnahmen für uns. Gleichzeitig ist der Seezugang morgens und abends gratis.
Den Wunsch nach einem zusätzlichen oder verbesserten kostenlosen Seezugang kann ich nachvollziehen. Aber Vorsicht ist geboten!
Der Kalterer See liegt in einem Natura-2000-Schutzgebiet. Was bedeutet ein neuer Zugang für Schilfgürtel und Naturraum? Wo wird geparkt? Wer kümmert sich um Müll, WCs, Sicherheit und Ordnung? Wer trägt die laufenden Kosten? Und was passiert, wenn ein kleiner Zugang mit der Zeit nicht mehr reicht?
Hinzu kommt: Das Verfahren zum freien Seezugang ist noch nicht zu Ende. Nach dem positiven Urteil für die Gemeinde in erster Instanz liegt die Angelegenheit beim Staatsrat. Auch diesen Ausgang sollten wir dringendst abwarten.
Das heißt nicht, dass wir nichts verändern dürfen. Im Gegenteil: Über Verbesserungen soll und muss gesprochen werden – mit Befürwortern und Gegnern und unter Einbindung der Bevölkerung.
Was wir aber nicht tun dürfen, ist aus politischem Druck eine schnelle Lösung beschließen, deren Folgen später nicht mehr rückgängig zu machen sind.
Deshalb ist unsere Haltung klar: Nein zu einem undurchdachten freien Seezugang am Nordufer. Ja zu einer offenen Diskussion über bessere und nachhaltige Lösungen.
Wer einen konkreten, umsetzbaren Vorschlag hat, soll ihn einbringen. Dann können wir gemeinsam darüber reden.
Denn Verantwortung bedeutet nicht, es allen recht zu machen. Verantwortung bedeutet, heute Entscheidungen zu treffen, mit denen auch unsere Kinder und Enkel noch eine Freude haben können.
Christoph Pillon,
Bürgermeister